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Rundbrief Nr 2. auch hier im Blog

Autor: Nele | Datum: 07 April 2013, 12:32 | Kommentare deaktiviert

erstmal eine ganz große Entschuldigung dafür, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Hier jetzt schon mal der 2. Rundbrief und im Laufe der nächsten Woche dann auch neue Infos.

 

 

Hallo :)                                                                                                                   10.03.2013

 

Als ich vor kurzem in den Kalender schaute stellte ich mit Überraschung fest, dass es schon wieder Zeit ist den 2. Rundbrief zu schreiben. Und somit wurde mir auch deutlich, dass wirklich schon Halbzeit ist. Diese ersten 6 Monate sind unglaublich schnell vergangen… Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht und hatte neben wenigen schlechten Tagen, viele lustige und schöne Tage.

Und davon möchte ich euch jetzt noch ein bisschen mehr erzählen…

 

Dezember – März: Was ist passiert?

Den ersten Rundbrief hab ich ja mit dem ersten Dezember abgeschlossen und deswegen gibt’s auch noch ein paar Infos aus 2012.

Unsere Weihnachtsfeier im BKM am ersten Dezember war der Anfang eines großen, langen Weihnachtsfeiermarathons. Und das hieß jede Menge Arbeit, Stress, wenig Schlaf, aber dafür tagsüber auch jede Menge Spaß, Kuchen und Geschenke für die Kinder.

Entweder bekamen wir Besuch von Firmen, Familien oder Einzelpersonen oder  wir wurden zu Weihnachtsveranstaltungen eingeladen. Manchmal kam auch Beides vor, sodass wir uns in zwei Gruppen aufteilen mussten.  An einem Tag gab es sogar vier unterschiedliche Gästegruppen, was eine Unmenge an Kuchen und Süßigkeiten mit sich brachte, dass war für die Kinder natürlich besonders toll  (Dazu spenden die Gäste auch oft Grundnahrungsmittel oder Geld für das Kinderheim). Außerdem wird wenn Gäste kommen immer zusammen gesungen, Gottesdienst gefeiert und gemeinsam Zeit verbracht, denn auch das gehört dazu und ist immer eine schöne Erfahrung.

Neben den ganzen Besuchen, hat aber eine lange Zeit auch noch die alltägliche Arbeit und natürlich Schule stattgefunden, denn Ferien gab es erst ab dem 24 Dezember.

 Eine der alltäglichen Arbeiten, die mir wirklich Spaß bereitet hat, schweißtreibend ist  und mir zudem einen Sonnenbrand verpasst hat,  war, innerhalb von zwei Tagen drei Maisfelder von Hand ab zu ernten, was bei 35 Grad wirklich ziemlich anstrengend ist. Aber nachdem ich dann gelernt hatte, dass die Nadel zum Öffnen der Maiskolben gebraucht wird und nicht dazu da ist sich den Finger auf zu schlitzen, war das Ganze wirklich ganz lustig, aber eben auch ziemlich mühsam.

 

Neben den vielen Besuchen mit den BKM-Kids zusammen, war ich an einem Abend alleine eingeladen an der Jugendweihnachtsfeier der GKPS teilzunehmen. Was eine interessante Mischung aus Gesangswettbewerb und Vorführungen, sowie einfach zusammen sitzen und ein bisschen quatschen war.  Besonders schön für mich, dass auch mal Menschen in meinem Alter dabei waren, wie zum Beispiel Delmi die ich schon in Berastagi als Mit-Steward kennen gelernt hatte.

 

Ein Weihnachtshighlight war eine weitere Großveranstaltung im BKM, denn wir feierten mit insgesamt sieben unterschiedlichen Kinderheimen und weiteren Gästen (insg. 500/600 Personen) am 27. Dezember ein weiteres Mal Weihnachten. Das Ganze wurde auf dem BKM-Fußballfeld ausgerichtet, sodass fleißig und viel dafür vorbereitet wurde. Also gab es zum Beispiel einen neuen Anstrich für das Kinderheim (der aber auch so geplant war). Außerdem Bambusbrücken für unsere Wassergräben, denn in den anderen Heimen gibt es auch Kinder, die im Rollstuhl sitzen oder auf Krücken gehen und nicht über unsere anderen Brücken hätten fahren können, und vieles vieles mehr.

 

Das Fest selber war ein richtiger Erfolg, mit allen seinen Aufführungen aus jedem der Kinderheime, den Ansprachen und dem gemeinsamen Mittagessen. Zur Feier des Tages hatte ich natürlich wieder meine traditionelle Kleidung (Kebaja und Sarong) an und war sogar mit Ibu Rina in den Salon gegangen um mir auch die Haare traditionell hochstecken und Make-Up machen zu lassen. Besonders die Haare und das Make-Up sind super angekommen, denn das Kompliment, das ich immer zu hören bekam war, „Wow, du siehst aus wie Barbie!“, wobei ich mich auch wie Barbie fühlte, es aber selbst nicht so schön fand. :D Aber mein Gott, man probiert ja alles Mal aus. :)


Die restliche Zeit des Jahres verging wie im Flug. Silvester wird eigentlich wie bei mir Zuhause in Deutschland gefeiert, nur, dass ich durch meine Chaos-Jungs J immer vor auf mich abgeschossenen Mini-Raketen und Böllern flüchten musste. Am 31. Abends haben wir gemeinsam Abendessen gekocht bzw. gegrillt, denn es gab Schweinefleisch in einer Art BBQ-Sauce natürlich mit Reis ;). Nachdem das verputzt war, hieß es warten, warten, warten und um die Zeit ein bisschen zu verkürzen, wurden die letzten Vorräte (letzte Vorräte: UNMENGEN!)  an Süßigkeiten, Schokolade und selbst gebackenen Neujahrskuchen (super lecker! Ich bring das Rezept mit ;) ) genossen.

Um 12 Uhr haben wir dann noch weitere Raketen abgeschossen und natürlich Wunderkerzen angezündet. Um unsere Feier zu beenden, haben wir gemeinsam für das Kinderheim im neuen Jahr gebetet.


Am 1. Januar 2013 sind wir gemeinsam mit Ibu Merti zum „Timuran“ gefahren, Timuran ist eine Art Schwimmbad, wobei es eigentlich eher eine riesiger Park ist mit Shops, Sitzplätzen, Restaurants bzw. keinen Buden und natürlich den Schwimmbecken. Die Becken sind jedoch nicht gepflastert, also eher wie eine Art Mini-See.

Die Aktion hat den Kindern und auch mir gigantischen Spaß bereitet und trotz des ganzen Wasser, das ich beim „Döppen“ geschluckt habe, hatte ich nachher keine Magenprobleme, was bei der Sauberkeit des Wassers (und meiner Magenanfälligkeit) wirklich ein Wunder war. :D

 

Der Abend bzw. die Rückfahrt war dann weniger lustig, da wir mit knapp 40 Leuten im „Ancot“ (Minibus) saßen und leider durch ein Monster-Gewitter fahren mussten. Das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen, wenn wir nicht immer wieder rückwärts die Hügel runtergerutscht wären. So  hieß es nämlich im strömenden Regen aussteigen und anschieben bzw. nachher wieder aufspringen.

Nach gefühlten fünf Stunden Fahrt kamen wir dann auch im BKM  klitsch  nass an und hatten uns alle ein bisschen Erkältet, was aber zum Glück bei den Temperaturen tagsüber, hier schnell wieder weg  geht. ;)

 

Am Wochenenden darauf war ich dann gemeinsam mit Lertina und dem Generalsekretär der GKPS, sowie allen dort MitarbeiterInnen des Büros, inklusive Familien, am Toba See, um gemeinsam das neue Jahr zu feiern. Das Ganze erinnerte sehr an die Veranstaltung an meinem ersten Wochenende, mit Paul und seiner Familie, die übrigens auch dabei waren, nur das wir noch besseres Wetter hatten und ich natürlich jetzt schon Indonesisch reden kann. :D  Wir haben viele Spiele gespielt, wie Luftballontanzen und ähnliches, aber mein Highlight war definitiv das Ehepartner-Lippenstift-Spiel. Dabei hat der Mann die Augen verbunden und muss seiner Ehefrau den Lippenstift richtig auftragen. Die Ergebnisse waren zum Teil wirklich erstaunlich gut, aber eben auch zum Teil unheimlich schlecht und damit die große Belustigung für alle Zuschauer.

 

Ansonsten ging dann auch wieder der Alltag los, denn irgendwann sind Schulferien auch vorbei  und auch ich unterrichte wieder im BKM.

 

Wie die meisten wahrscheinlich wissen, bin ich Mitte Januar auf mein Zwischenseminar nach Malang geflogen, Malang liegt auf der Insel Java. Das Seminar war eine richtig schöne Zeit, einfach mal wieder ein bisschen unter anderen Deutschen zu sein, Deutsch zu reden und sich über die ersten fünf Monate auszutauschen. Wir waren eine ziemlich gute Gruppe und ich hab viele neue, tolle Leute kennen gelernt. ;)  Und auch unsere Diskussionsrunden, Einzelgespräche und die Unterhaltungen außerhalb des Programms waren wirklich interessant und hilfreich, um Dinge vielleicht auch mal aus einer anderen Sicht zu sehen.

Außerdem gab es aus der Heimat eingeflogene Schokolade, Käse, Pumpernickel und METTWÜRSTCHEN, wobei ich glaube, dass diese schon ein bisschen sauer geworden waren, naja egal wir haben sie trotzdem gegessen und genossen. :P Vielen Dank Mama & Papa! ;)

 

So hatte ich die Möglichkeit auf dem Seminar neue Kraft für meine Arbeit zu sammeln. Außerdem habe ich mich wieder richtig auf das BKM und die Kinder gefreut, auch wenn dieses Seminar ein bisschen Sehnsucht nach zuhause geweckt hat. Aber das gehört halt auch irgendwie dazu. Es ging also  weiter mit unterrichten und ganz normalem Alltag.

Mitte Februar gab es dann wieder ein bisschen extra Arbeit, denn wir erwarteten Gäste aus Deutschland und Singapur. Dafür musste wieder viel vorbereitet werden. Es wurde fertig gestrichen, Rasen gemäht, geputzt und vieles mehr. Außerdem habe ich eine Fotodekoration gebastelt, um die Jahre der Zusammenarbeit zwischen den Sponsoren/Besuchern und dem BKM zu präsentiere, das hat eine Menge Zeit gekostet, aber den Gästen hat es auch auf jeden Fall gefallen.

Die Gäste aus Singapur von der Organisation „React“ (sie sind schon Partner seit das Kinderheim existiert (2004)), kamen samstags an. Wir haben gemeinsam gegessen und einen Workshop zum Thema „TrafficWear“ gemacht, ein Projekt einer der Besucherinnen. Hierbei geht es um Kleidung und Schmuck mit Straßenschildersymbolen, die umgestaltet sind und eine andere Aussage haben, wie zum Beispiel ein Damen-/Herren-Toiletten-Symbol mit der Bedeutung: Ich bin eine starke Frau/ein starker Mann. Die Kinder mussten selber Schilder umgestalten und ihnen neue Bedeutungen geben. Ich habe geholfen zu übersetzten und wir waren alle begeistert wie gut diese Aktion funktioniert hat! Danach haben wir nur noch gespielt und dann sind die Gäste auch wieder ins Hotel gefahren. Am nächsten Tag war der große Show-Tag, denn wir hatten eine Talentshow vorbereitet. Auch die Gäste aus Deutschland waren nun eingetroffen, sodass wir eine große Zuschauergruppe hatten. Alle hatten eine Menge Spaß es wurde gesungen, getanzt, Reden gehalten und geschauspielert. Ein großer Erfolg!

Die Gäste aus Deutschland waren dann wieder relativ schnell weg aber den Rest des Tages haben wir dann gemeinsam mit den Singapur-Gästen verbracht und am Abend gab es noch eine Fotopräsentationen mit allen Bildern der gemeinsamen Zeit und einer Disko, die wirklich extrem ausgelassen und anstrengend war, sodass wir alle geschafft in die Betten gefallen sind. Am Montag sind wir dann nur noch zum Zahnarzt gegangen und hatten eine Besprechung, da die Kinder ja alle in der Schule waren. Für mich persönlich war es auch eine schöne Zeit, da die beiden Söhne der Leiterin in meinem Alter waren und ich somit auch mal wieder ein bisschen mit jemandem quatschen konnte der in einer ähnlichen Situation ist.

Und das Tolle für uns alle ist, dass die Singapur Gäste mit einer Gruppe Jugendlichen schon wieder im April vorbei kommen! J 

Nach dem Abflug der Gäste war erst mal nicht mehr spezielles los, was aber auch ganz entspannt ist einfach mal ein bisschen Zeit alleine mit meinen Kids zu haben ohne sie teilen zu müssen. :P

Anfang März wurde ich dann von meinem Ephorus, auf Anfrage der UEM-Asia auf ein Seminar geschickt um dort für eine Woche wieder als Steward auszuhelfen. An sich war auf dem Seminar nicht viel los und die Arbeit hielt sich auch in Grenzen aber dafür war das Thema des Seminares eigentlich sehr interessant. Das Seminar stand unter dem Thema „Gender Studies - Towards a Community of Women and Men“.  Erstens interessiere ich mich persönlich sehr für Themen der Gender Equality und zweitens war es spannend einen Einblick zu bekommen, wie die Kirchen des Asiatischen Kontinentes sich mit diesem Thema beschäftigen und wie die derzeitige Situation in ihren Gemeinden und ihrer Gesellschaft ist.

Besonders eindrucksvoll war auch der Besuch im „Women Crisis Center – Sopou Damei“ (WCC) der GKPS, also meiner Kirche. Das Center ist eine Hilfsstelle für Frauen, die zum Beispiel häusliche Gewalt oder jegliche andere Form von Gewalt erfahren bzw. erfahren haben. Im WCC wird den Frauen geholfen, sie werden von ihrer Ankunft an bis hin zu eventuellen Prozessen oder ähnlichem begleitet und unterstützt. Des Weiteren versucht das Center die Gesellschaft durch Seminare und Workshops über das Problem der Gewalt gegenüber Frauen und Kindern aufzuklären.

Zwei junge Frauen teilten mit uns ihre Erfahrungen und es war wirklich sehr traurig und schrecklich was ihnen und ihren Kindern passiert ist, die beiden Frauen haben wirklich viel Kraft bewiesen und einer der beiden Ehemänner sitzt zur Zeit auch schon im Gefängnis.

 

Nach dem Seminar  ging es wieder zurück ins BKM, das ich echt vermisst habe. Und jetzt sitze ich auf meinem Bett und schreibe diesen Rundbrief….

 

Jedoch möchte ich nicht nur über den Ablauf meiner Monate hier berichten, sondern auch ein bisschen Anderes erzählen.

Und zwar würde ich gerne etwas mehr über meine Kinder, ihre Herkunft, ihre Hintergründe und ihre Zukunft berichten.

 

Wie ich ja schon im ersten Rundbrief geschrieben hatte, leben im Moment 36 Kinder ( 3 Uni/ Krankenschwesterschule) im Kinderheim.

 

Herkunft – Aus welchen Völkern und Regionen stammen die Kinder?

Knapp die Hälfte aller Kinder kommen aus Nias und leben nun schon seit neun Jahren (seit das BKM existiert) hier in Siantar im Kinderheim.

 Die Insel Nias gehört zu Indonesien und liegt 125 km vor der Westküste Sumatras im Indischen Ozean. In den Jahren 2004 und 2005 kam es zu Erdbeben der Stärke 8 und 9, die jeweils Tsunamis ausgelöst haben. Bei diesen Tsunamis kamen in beiden Jahren viele Menschen um Leben und viele Wohnhäuser wurden zerstört (2005: in Gunungsitoli wurden bis zu 80 %der Gebäude zerstört).

Auf Grund dieser Tsunamis kamen die Eltern der Kinder um, waren verschollen oder einfach von ihren Kindern getrennt, sodass Sie im BKM untergebracht wurden.

 Des Weiteren leben im BKM Kinder aus den Batak-Völkern, genauer gesagt Toba-Batak und Simalungun-Batak.

 Das Volk der Batak gliedert sich nach Sprache und Kultur in sechs Volksgruppen. Dabei gibt es zwei Hauptgruppen:

Der südlichen Gruppe werden die Toba-, Angkola- und Mandailing-Batak zugeordnet. Die Pakpak- und Karo-Batak fasst man als Nordgruppe zusammen.

Die Simalungun-Batak, die rundum Pematang Siantar siedeln, nehmen eine Zwischenstellung ein. (meine Kirche; sowie mein Indonesische Nachnahme „Munthe“ gehörten zu den Simalungun-Batak.

In der heutigen Zeit, ist die größte Gruppe das Toba-Volk, das um die südliche Hälfte des Toba Sees und auf Samosir siedelt.

Die Karo leben nördlich des Sees im Hochland von Kabanjahe und Berastagi.

Die Angkola, und  Mandailing sind größtenteils Muslime und haben viele Bräuche aufgegeben, alle anderen Batak-Völker sind mehrheitlich Christen und haben viele alte Traditionen bewahrt.

Im Toba-Hochland leben insgesamt ca. 4,9 Millionen der insgesamt 6 Millionen Batak. Jedoch ziehen immer mehr aus wirtschaftlichen Gründen in die Hauptstadt von Nordsumatra, Medan, wo bereits etwa 20.000 bis 30.000 Batak leben. Des Weiteren leben Sie auch in Jakarta und in anderen großen Städten Sumatras und Javas.

Und ein Mädchen kommt aus dem Volk der Sundanesen.

 Die Sundanesen sind eine Ethnie mit ca. 30,9 Millionen Mitgliedern, die im westlichen Teil der Insel Java leben. Die meisten von ihnen sind Muslime. Sie sprechen sundanesisch, die in Indonesien zweithäufigste Sprache.

 

Gründe – Warum leben die Kinder im BKM?

Es gibt verschiedene Gründe warum die Kinder hier im BKM leben. Natürlich zunächst einmal die Tsunamis auf Nias. Weitere Gründe sind zum Beispiel Misshandlung, Missbrauch, Scheidung oder auch wenn die Eltern nicht die Möglichkeit haben die Kinder zu versorgen. Bei den Kindern aus Nias und auch einigen anderen, deren Eltern oder Verwandte noch leben, besteht oft die Situation, dass diese die Kinder im Kinderheim lassen, weil sie nicht die Mittel haben ihre Kinder zu ernähren oder auch zur Schule zu schicken. Sie wissen, dass ihre Kinder im Heim gut aufgehoben sind und voll versorgt werden. Wiederum gibt es andere Familien, in denen die Kinder abgeschoben werden, weil nach der Scheidung keiner die Kinder bei sich haben will oder auch weil der neue Partner die Kinder nicht akzeptiert.

 

Gesellschaft – Wie ist der Umgang der Gesellschaft mit Kindern aus dem Kinderheim?

Auf diese Frage kann ich nur mit den Erfahrungen antworten, die ich in den ersten 6 Monaten gemacht habe, also kann man dies nicht verallgemeinern.

Natürlich gibt es unterschiedliche Reaktionen und Einstellungen gegenüber Kinderheimkindern.

Aber meinen Erfahrungen nach, haben viele Menschen ein positives Bild von den Kindern und gehen gut mit ihnen um. So ist mir aufgefallen wie herzlich die meisten Gäste den Kindern gegenüber sind.

Als Beispiel vielleicht: Wir hatten eine Familie zu Besuch und die Frau entschuldigte sich viele Male, dass sie schon lange nicht mehr zu Besuch gewesen waren, doch das eigentlich ergreifende war, dass sie anfing zu weinen weil sie nun endlich wieder zu Besuch war; die Kinder gehören für sie zu ihrer Familie dazu.

Und es war auch für die Kinder in dieser Situation nicht wichtig was sie ihnen mitgebracht hatte, es war einfach toll sich wieder zu sehen.

Oder auch die Gäste die jedes Jahr kommen, wie die Sponsoren aus Singapur, ihnen geht es nicht darum, die Kinder mit materiellen Dingen zu überschütten, sondern sie zu unterstützen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Jedoch gibt es auch Situationen in denen ich ein sehr negatives Bild den Kindern gegenüber erfahren habe. Es war der 24.12.12 und wir waren in der Kirche bei einem Weihnachtsgottesdienst. Am Ende des Gottesdienstes stellte sich heraus, dass einer Frau ihr Portmonee geklaut worden war. Und als sie feststellte, dass unsere Kinderheimkinder hinter ihr saßen, beschuldigte sie diese sofort, obwohl sie zuvor gesagt hatte, sie hätte nicht gesehen wer das Portmonee geklaut hat. Das Ganze artete dann so weit aus, dass wir letztendlich zwei Stunden länger in der Kirche saßen und  alle unsere Kinder einzeln befragt wurden, alle anderen Kinder und Jugendlichen der anderen Familien nicht.

In der Zwischenzeit ist das Portmonee dann auch leer hinter der Kirche aufgetaucht und der Kirchenleitung, die die Diskussion, die im inneren der Kirche geführt wurde, und die Befragung leitete, wurde berichtet wer der eigentliche Täter war und es nicht eins unserer Kinder gewesen war. Und selbst als die Familie der Frau dies erfuhr, gab es keinerlei Entschuldigung gegenüber dem Kinderheim, sie waren immer noch fest davon überzeugt, dass es jemand aus dem BKM gewesen sein musste und wir versuchten das Ganze jemand anderem in die Schuhe zu schieben.

Die Kirchenleitung jedoch entschuldigte sich für die Anschuldigungen und die Befragung.

 

Aber so sieht man, dass es alleine im direkten Umfeld der Kinder, unterschiedliche Einstellungen der Gesellschaft gibt. Ich bin mir sicher, dass man für jedes Land sagen kann, dass es geteilte Meinungen und Gefühle gegenüber Kinderheimkindern gibt und so denke ich gilt es auch für Indonesien. Es wird viele Menschen wie unsere Gäste und Unterstützer geben, die sich freuen wenn sie Kinder wie die Unseren treffen und Zeit mit ihnen verbringen können. Ebenso wird es Menschen geben, die Abstand halten und nicht wollen, dass die Kinder ihnen zu nahe kommen.

Meiner Meinung nach sollte man keinen Unterschied, zwischen Kinderheimkindern und Kindern die in ihren Familien aufgewachsen sind, machen. Man sollte sie alle unterstützen, erst recht wenn sie schreckliche Dinge erlebt haben und/ oder ihre Familien verloren haben.

 

Chancen – Welche Chancen haben die Kinder in ihrer Zukunft?

Durch die Aufnahme ins Kinderheim, wird den Kindern auf jeden Fall die Möglichkeit geboten, Kindergarten (TK), Grundschule (SD), Mittelschule (SMP) und Oberschule (SMA) zu besuchen.

 

Danach wird es etwas schwieriger, denn das BKM hat nicht genug Geld um allen Kindern ein Studium zu finanzieren. Momentan studiert einer unserer Jungen in Medan an der Universität Theologie. Er wird durch unsere Sponsoren aus Singapur finanziert. Und dies ist auch die einzige Möglichkeit, die die Kinder haben um zu studieren. Sie brachen Sponsoren. Im nächsten Jahr sind es drei weitere Jungen, die die Schule beenden. Ich vermute, dass sie noch Sponsoren finden, aber es könnte in ein paar Jahren schwierig werden wenn alle, die jetzt in der Mittelschule (SMP) sind die Schule abschließen, dann sind es nämlich knapp 10 Jugendliche gleichzeitig.

Wenn sie nicht den Weg des Studiums einschlagen, gibt es natürlich andere Möglichkeiten zu arbeiten. Wie die beiden Mädchen die zur Krankenschwester ausgebildet werden. In wieweit und von wem die Beiden finanziert werden weiß ich jedoch nicht genau.

Ansonsten gibt es das PKR, ein weiteres Zentrum der GKPS, in dem Jugendliche unterstützt werden und in Handwerklichen und Dienstleitungsberufen ausgebildet werden, wie zum Beispiel FriseurIn, SchreinerIn und MechatronikerIn.

Wie es nach der Ausbildung oder dem Studium aussieht, kann man bis jetzt noch nicht sagen, da die drei Jugendlichen, die ersten aus dem Kinderheim sind. Da das BKM ja erst 9 Jahre alt ist, fehlt in dieser Hinsicht noch die Erfahrung.

 So das war es auch schon wieder von mir. Ich bedanke mich ganz herzlich bei euch für euer Interesse und eure Unterstützung  meines Freiwilligendiensts, für die Briefe, Postkarten und Päckchen die in den letzten Monaten eingetroffen sind. Es kommt mir vor als ob die Zeit davon rennt, denn es ist gar nicht mehr lange bis ich wieder nach Deutschland fliege. Aber ich möchte die Tage ja nicht abzählen also wünsche ich euch jetzt nur noch allen das Beste. Bis bald. Ihr hört von mir.

eure Nele